Lisa Dornfeld: Autorengruppen - Meet up!

Lisa Dornfeld: Autorengruppen - Meet up!

Autorengruppen – Meet up!

Autor:innengruppen mit regelmäßigen Treffen? Es gibt doch das Internet.

von Lisa Dornfeld

Schreiben ist ein einsames Geschäft, heißt es immer wieder. In der Regel sitzen (oder stehen oder liegen) Autor:innen allein an ihrem Arbeitsplatz und erschaffen ganze Welten, bewegende Dramen oder wortgewaltige Lyrik. Umso wichtiger ist es, sich zu vernetzen.

Viele schließen sich zu Autor:innengruppen zusammen, und dank Internet geht das auch gut virtuell.
Braucht man also noch Autor:innengruppen, in denen man sich persönlich trifft? Ich finde: ja.

Verstehen wir uns nicht falsch: Ich habe überhaupt kein Problem damit, zu Hause tagelang allein am Schreibtisch zu sitzen. Meinen Brotberuf übe ich seit 20 Jahren mehr oder weniger im Home Office aus, und das Autorinnendasein am heimischen Schreibtisch ist demzufolge keine große Umstellung für mich. Wenn ich ein Problem damit hätte, wäre ich wahrscheinlich schon längst die Wände hochgegangen. Oder ich hätte vorher den Beruf gewechselt.

Trotzdem treffe ich mich in der Regel einmal im Monat mit meinen Kolleginnen der Autorinnengruppe (nicht gegendert, da Männer derzeit genau null Prozent unserer Gruppe ausmachen – das wäre wohl ein Thema für einen anderen Beitrag).

Unsere Gruppe ist keine Schreibgruppe – wir treffen uns, um über unsere Texte zu sprechen, Lesungen zu organisieren oder auch mal eine Fortbildung wie ein Lyrikseminar zu planen.
Wir veranstalten mindestens eine größere Lesung pro Jahr, für die wir zu einem gemeinsam festgelegten Thema die Texte schreiben. Jede, die etwas fertig hat, bringt ihren Text zu einem unserer Treffen mit und liest ihn vor. Außerdem treffen wir uns noch einmal zu einem „Arbeitstag“. Dann müssen alle Texte, die noch fehlen, so weit fertig sein, dass sie vorgelesen und in der Gruppe besprochen werden können.

Einer solchen Gruppe, die sich persönlich trifft, würde ich vor virtuellen Gruppen in Foren oder Ähnlichem immer den Vorzug geben. Warum?
Der erste Punkt ist das Vorlesen vor der Gruppe. Als Autorin bekomme ich beim Vorlesen bereits ein Gespür dafür, ob der Text funktioniert, wo es holpert und wo ich vielleicht noch etwas ändern muss. Außerdem ist das Lesen vor Publikum natürlich immer eine gute Übung für Lesungen. Und: Manche Texte sind wirklich gut – aber sie eignen sich einfach nicht dafür, vorgelesen zu werden. Besonders Letzteres ist eine der Erkenntnisse, die ich erst durch die Autorinnengruppe gewonnen habe.
Nun könnte man den Text zu Hause vorlesen und sich dabei aufnehmen, sei es per Audio oder gar per Video, um einen Eindruck von der Wirkung des Textes zu bekommen. Aber Hand aufs Herz, wer macht das? Ich habe das gelegentlich getan, aber wie oft, lässt sich an einer Hand abzählen. Der Geist ist willig …

Die Mitautorinnen in der Gruppe sind die ersten Zuhörerinnen, bevor der Text in die große Öffentlichkeit kommt.

Bei diesem ersten Vorlesen, wenn die anderen den Text auch noch nicht kennen, spürt man sehr gut, wie er aufgenommen wird, welche Stimmung er erzeugt, wie die Resonanz darauf ist – ganz unabhängig davon, wie später das Feedback ausfällt, bekommt man hier eine erste, unmittelbare und unverfälschte Reaktion auf den eigenen Text.

Das ist virtuell nicht möglich. Der wichtigste Grund, die Texte in der Gruppe vorzulesen, ist natürlich das Feedback. Selbst mit richtig viel Erfahrung im Schreiben geht es nicht ohne. Oft hat man das, was man beschreibt, so klar vor Augen, dass man „vergisst“, es auch niederzuschreiben. Oder man steckt einfach so tief im Text, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Und dann kommen die Gruppenmitglieder ins Spiel, die die bekannten und unbekannten Schwächen des Textes aufdecken.

Ich muss bekennen, wenn ich lange keine Rückmeldungen für meine Texte bekomme, werde ich schlonzig beim Schreiben. Es ist wie bei der Aufnahme fürs Vorlesen. Die guten Vorsätze sind da. Aber aus guten Vorsätzen allein entsteht leider kein guter Text (wäre das nicht schön?). Tief innen weiß ich eigentlich, dass diese eine Stelle nicht funktioniert, aber es wäre so umständlich, das jetzt zu ändern, und so schlimm ist das doch wirklich nicht, das passt schon und es merkt eh niemand. Es passt natürlich nicht und sie merken es. Immer. Sofort.

Das könnte man – im Gegensatz zum Erspüren der Stimmung – auch virtuell bekommen. Es ist aber nun so, dass das Internet … nun ja, das Internet ist. Meist kennt man seine Gegenüber nicht persönlich, immer wieder tauchen Trolle auf, die einfach gern provozieren, oder gar Leute, die, aus welchen persönlichen Gründen auch immer, ernsthaft andere niedermachen wollen.

Wer einen Text schreibt, hat in irgendeiner Form auch immer ein kleines oder größeres Stückchen seines Herzens oder ihrer Seele darin verarbeitet.

Als Autor:in ist man deshalb besonders verwundbar. Ich weiß von vielen Autor:innen, die den Autor:innenforen wegen des zu rauen Umgangstons (um es vorsichtig auszudrücken) den Rücken gekehrt haben.

In der Gruppe ist es leichter, das zu vermeiden. Erstens ist die Größe einer Gruppe allein aus praktischen Erwägungen begrenzt (Raumgröße für Treffen, Termine, an denen möglichst alle können, …). Zweitens ist es wesentlich schwieriger, jemanden niederzumachen, dem man gegenübersitzt und in die Augen schaut. Das heißt nicht, dass die Texte nicht kritisiert werden. Aber es werden eben die Texte kritisiert und nicht die Autorin. Es gibt keinerlei Grund, einen Autor oder eine Autorin persönlich anzugehen, nur weil einem der Text nicht gefällt. Und auch ein Text, der einem nicht gefällt, wird konstruktiv kritisiert. Alles andere würde einfach keinen Sinn machen, denn der ist es ja, die Texte zu verbessern. Mit „Der Text ist schlecht“ verbessert man nichts.

Auch wenn es im ersten Moment manchmal schwerfällt, die Kritik anzunehmen. Dann muss die Autorin schlucken, nach Hause gehen und eine oder ein paar Nächte darüber schlafen. Wenn ich den Schock darüber überwunden habe, dass jemand es wagt, an meinem kostbaren Baby, an meinem perfekten Text etwas auszusetzen, dann stelle ich in den allermeisten Fällen mit etwas Abstand fest, dass dieser jemand recht hatte.
Das Ganze sollte natürlich fair und respektvoll ablaufen, auch dafür kann man in der realen Gruppe leichter sorgen. Sollte es wirklich einmal vorkommen, dass jemand solche einfachen mitmenschlichen Verhaltensregeln nicht beachten kann oder will, kann man ihn oder sie aus der Gruppe ausschließen. Mir ist kein Fall bekannt, in dem sich die Person dann einen neuen Namen zugelegt hat und wiedergekommen ist …

Ich bin großer Fan des Internets und sitze, wie eingangs erwähnt wirklich gern mit mir allein zu Hause. Aber solange ich ernsthaft schreiben will, bin ich froh und dankbar, eine Gruppe zu haben, in der man sich persönlich kennt und trifft. Nicht alle haben diese Möglichkeit, aber wer sie hat, sollte sie nutzen.

In Zeiten von Corona ist das mit den persönlichen Treffen nun zunächst alles hinfällig, und auch wir nutzen für unsere Gruppe das Internet, um uns virtuell zu behelfen und uns kontaktlos gegenseitig zu unterstützen. Und wir alle warten sehnsüchtig darauf, dass wir endlich wieder in echt zusammensitzen und uns austauschen können, so richtig in einem Raum, um einen Tisch mit Kaffee und Keksen und ohne Sicherheitsabstand. Irgendwann wird das wieder möglich sein. Und bis dahin bin ich weiterhin mächtig froh darüber, dass jemand das Internet erfunden hat.

Nicht alle Autor:innen haben die Möglichkeit, sich anderen Schreibenden anzuschließen und sich regelmäßig zum persönlichen Austausch zu treffen. Doch wer die Möglichkeit dazu hat, so meine Empfehlung, sollte sie nutzen.

 

 

Die Autorin Lisa Dornfeld  hat den Liebesroman „Eine Bucht in Florida“ veröffentlicht. Eine filmreife Liebe!  Den Roman “Eine Bucht in Florida” von Lisa Dornfeld erhalten Sie unter:

 

Eine ausführliche Leseprobe erhalten Sie unter:

 

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