Der Weg zum Bestseller

Von der Autorin Marie-Christin Spitznagel
Mit diesen fünf einfachen Tipps schreibst du in 2 Wochen einen Bestseller ...

Man kennt diese Überschriften, oder? Sie versprechen größtmöglichen Erfolg in kurzer Zeit mit minimalem Aufwand.

Klingt super, oder?

Ich muss gleich zu Beginn dieses Textes leider eine Sache klar stellen: Diese Artikel sind in der Regel Schwachsinn. Es gibt keine universellen, erfolgsgarantierenden Tipps, die aus jedem Grundschüler, der gerade das Alphabet gelernt hat, einen neuen Sebastian Fitzek macht.

Sorry. Aber irgendjemand muss ja die Wahrheit sagen. Auch, wenn es weh tut.

Was ich aber inzwischen sagen kann, nachdem ich jetzt seit fast 15 Jahren auf die eine oder andere Art mit Schreiben mein Geld verdiene, ist, dass jeder lernen kann zu schreiben. Für manche Menschen ist es sicherlich einfacher, aber das bedeutet nicht, dass sie später besser sind.

Gute Bücher und Texte zu schreiben hat sicherlich mit Talent zu tun, aber vor allem ist es ein Handwerk. Es erfordert Übung, Hingabe und Fleiß.

Das lässt sich aber nicht so knackig als Überschrift verpacken.

Also – welche »Tipps« helfen tatsächlich besser zu schreiben?

Natürlich gibt es ein paar grundsätzliche Sachen, die beim Schreiben beachtet werden sollten, aber ganz viele Tipps und Regeln sind von der Textart abhängig. Ein geisteswissenschaftliches Essay muss anders verfasst werden, als eine Büttenrede (an dieser Stelle habe ich schon mal ein großes Geheimnis verraten).

 

Daher ist mein persönlicher allererster Tipps für angehende Texter und Schriftsteller:

1. Vergiss nie für wen und warum du schreibst

Es ist toll, wenn dich das Schreiben glücklich macht. Aber um als Schriftsteller oder Texter Geld zu verdienen, müssten deine Texte auch gelesen werden.

Von Menschen. Nicht (nur) von Suchmaschinen.

Überlege dir also, für wen du schreibst und was dein Text auslösen soll. Dieser Beitrag hier soll in erster Linie hilfreich sein und Menschen motivieren, sich an das Schreiben heranzutrauen. Fange ich jetzt also an literaturwissenschaftliche Fachterminologien herumzuwerfen wie Kölner Jecken Kamelle am Rosenmontag, vergraule ich wahrscheinlich direkt ganz viele Leser.

 

Das ist nicht mein Ziel. Also schreibe ich so, dass man mich versteht. Ich möchte, dass du motiviert ans Schreiben gehst und dich traust Dinge auszuprobieren!

Fühle dich also in deine Leser hinein, wenn du schreibst.

2. Du bist nie zu gut, um besser zu werden

»Lass sie lernen oder lass sie sterben«, sagte Charles Bukowski mal. Ganz so martialisch möchte ich diesen Punkt aber nicht einleiten. Vielleicht zitiere ich lieber Seneca, der schrieb »Beim Lehren lernen Menschen«. Das ist so.

Ich gebe unheimlich gerne Schreibworkshops, weil ich gleichermaßen immer weiter lernen möchte. Das funktioniert super, wenn man sich Mühe gibt, anderen Menschen Inhalte zu vermitteln. Beim Lehren werde ich als Autorin besser und niemand ist so gut, dass er/sie nicht noch besser werden könnte.

 

Schreibkurse zu besuchen, bedeutet nicht ein schlechter Autor zu sein. Es bedeutet, so gut zu sein, dass man weiß, an welcher Stelle man sich noch verbessern kann. Nur wer keine Ahnung hat, glaubt, nicht weiter lernen zu müssen. (Informiert euch mal zum Dunning-Kruger-Effekt – enorm spannend.)

3. Nur wer schreibt, lernt schreiben

Wo wir gerade beim Thema lernen sind: Wer nicht schreibt, wird mit dem Schreiben nie Geld verdienen. Eine einfache Wahrheit, die ich auch lange nicht wirklich akzeptieren wollte. Ich habe über das Schreiben gelesen, nachgedacht und viel darüber geredet, dass ich Autorin sein will. Ich habe nur vergessen, dass ich ein Buch nur dann veröffentlichen kann, wenn ich es auch schreibe.

 

Also: Setz dich hin und schreib! Auch wenn es erstmal Quatsch ist. Auch wenn es tausend Mal überarbeitet werden muss. Auch wenn es am Schluss im Müll landet oder auf der Festplatte vor sich hin schimmelt. Vielleicht findest du diesen Text in drei Jahren wieder und dann seid ihr bereit füreinander, dann wird ein Buch draus.

 

Also schreib.

4. Trendsetter vs. Trendmitmacher

Der Buchmarkt hat wie jeder andere Markt auch, seine Trends. Und wenn ein Buch in einem bis dahin eher uninteressanten Genre auf einmal erfolgreich wird, sprießen die Nachfolger wie Pilze aus dem Boden. Diese Nachfolger und Trendmitmacher sind dadurch nicht schlecht, sie können sogar erfolgreicher sein als der Trendsetter. Verlage haben natürlich Interesse daran, weitere Bücher zu veröffentlichen, die diesen Trend bedienen und für Autoren ist es dann leichter an einen Vertrag zu kommen.

 

Klingt doch voll super, oder? Einfach auf einen Trend warten, früh erkennen und dann loslegen. Ist aber natürlich nicht so einfach. So ein Buch muss ja auch immer erstmal geschrieben werden und Trends sind schnelllebig, außerdem ist der Markt dann auch sehr schnell sehr voll. Dennoch kann es sich lohnen, als Autor ein Auge auf die Beststellerlisten zu werfen und sich daran zu orientieren.

 

Aber die meisten von uns wollen doch lieber Trendsetter sein. Ist ja irgendwie cooler, man bleibt in Erinnerung und hat Erfolg.

Dabei haben die es natürlich extra schwer, sich auf dem Markt zu etablieren.

Ich weiß wovon ich rede, ich schreibe Horrorkomödien, die waren noch nie im Trend.

 

Aber wenn es dann mal klappt, ist es natürlich besonders schön. Was für dich die bessere Möglichkeit ist, musst du ganz selbst entscheiden.

5. Lies deinen Text! Laut!

Die einfachste und schnellste Möglichkeit, um Fehler und Stolpersteine in deinem Text zu finden, ist diesen Text laut zu lesen. Ich persönlich finde es fast egal, ob ich Zuhörer habe oder nicht, aber natürlich sind aufmerksame Menschen immer super, um noch zusätzliche Fehler zu finden.

 

Aber auch Rhythmus und Stil des Textes erschließen sich oft besser, wenn man sie laut liest. Dieser Tipp ist natürlich für die direkte Überarbeitung eines Textes wichtig, nicht unbedingt für die Planung und man kann es sich zur festen Angewohnheit machen, jeden Text nochmal final laut vorzulesen, bevor man ihn einreicht/abschickt/hochlädt.

 

So, all ihr schreibendes Volk da draußen, das waren meine fünf Tipps zum Schreiben. Ich hoffe, sie werden irgendjemanden da draußen helfen. Ich bin gespannt auf all eure Bücher.

Noch mehr interessante Tipps & Tricks und ein Interview mit der Autorin gibt es in unserem Podcast!