Exposé

Der Archivar von Soern Pohl
Politisches Drama
Klappentext

„Die Quelle des Bösen. Was ist die Ursache oder benötigt es keine?“

Jeremiah Brecht, Polizist, kurz vor der Rente erhält die Frage von einem Mann, der sich selbst der Archivar nennt. Ein Mann, der ihm grausame Biographien von Verbrechern überlässt, damit Jeremiah, wie in all den Jahren zuvor, Selbstjustiz verüben kann, um das in seinen Augen fragile Gleichgewicht von Gut und Böse wiederherzustellen. All dies dient nur der Vorbereitung für die zerstörerische Biographie von Jeremiah`s Sohn Michael. Angehender Präsident, getrieben von der Gier nach Macht und Einfluss. Ein Mann, der das Land spaltet, die Emotionen der Bevölkerung für seine Zwecke nutzt und bereit ist bis zum Äußersten zu gehen. Jeremiah wird vor die schwerwiegendste Entscheidung seines Lebens gestellt.

Die Geschichte

Jeremiah Brechts Zeit als Polizist geht zu Ende. In all den Jahren hat er Verbrechen und Grausamkeiten in seinen verschiedensten Ausprägungen gesehen. Sein düsterer Blick auf diese Welt ist geprägt von den Verbrechen und den Trieben der Täter anderen Leid zuzufügen. Jeremiah glaubt schon lange nicht mehr an die ausgleichende Wirkung der Justiz und so übt er seit Jahren grausame Selbstjustiz, um das in seinen Augen fragile Gleichgewicht von Gut und Böse wieder herzustellen. Doch es ist nicht nur der Drang einen Ausgleich zu schaffen und Gerechtigkeit walten zu lassen. Er findet Gefallen an seinen Taten und zieht daraus seine Energie, die er für sein Leben benötigt. Eine Energie, die er mit zunehmendem Altem und dem Ausblick auf seine Rente immer stärker verliert.

Jeremiah lebt allein in seiner kleinen von der Außenwelt abgeschotteten Welt. Sein einziger Bezugspunkt, der Mensch, der ihm alles bedeutet, ist sein Sohn Michael, der Innenminister des Landes und Anwärter für das Präsidentenamt in der anstehenden Wahl. Vater und Sohn stehen sich sehr nahe, obwohl sie beide nicht in der Lage sind über ihre Gefühle zu sprechen. Beide führen ihr eigenes, innerlich zerrüttetes Leben, ohne Rücksicht auf die Menschen, die ihnen nahestehen.

Eines Abends begegnet Jeremiah auf seinem Weg nach Hause einem alten Mann. Dieser nennt sich selbst der Archivar. Im Gegensatz zu Jeremiah scheint der Mann ihn zu kennen. Ein Gespräch entsteht, an dessen Ende der Archivar ihm ein Buch überreicht. Es ist die Biographie von Jeremiah. Beginnend von seiner Geburt bis zum jetzigen Tag. Es enthält alle Verbrechen die Jeremiah in seinem Leben beging.

Irritiert und aufgeschreckt beginnt Jeremiah den Kontakt zu dem Archivar zu suchen. Er muss herausfinden, woher der Archivar sein Wissen bezieht, um diese Quelle zu zerstören. Sie ist eine Gefahr für ihn und noch viel mehr für die Karriere seines Sohns. Der Archivar erwartet ihn bereits und führt Jeremiah zu seinem Archiv. Ein kleines Haus, das im Inneren gewaltige Dimensionen aufweist. Räume, einzig gefüllt mit Regalen voller Bücher. Jedes einzelne das Leben eines Menschen.

Der Archivar bietet Jeremiah ausschließlich Lebensläufe von Verbrechern an. Er überlässt es Jeremiah zu entscheiden, was mit ihnen geschieht. Anfangs nimmt Jeremiah die Bücher an, um mehr zu erfahren. Er muss feststellen, dass die Darstellungen in den Büchern der Realität entsprechen und so folgt er seinem selbst auferlegten moralischen Kodex und bestraft die Täter, indem er sie exekutiert. Erneut spürt er die Energie, die Befriedigung und die Verdrängung der Leere, die ihn innerlich erfüllt. Und mit jedem weiteren Mord steigt sein Verlangen nach mehr. Doch der Archivar gab ihm die Bücher nur aus einem Grund. Er hält Jeremiah den Spiegel vor und zeigt ihm das Bild eines verbitterten, einsamen Mannes, der aus reinem Selbstzweck tötet. Einem Selbstzweck, der verborgen hinter der Lüge liegt, einen Ausgleich für das Böse auf dieser Welt zu schaffen. Denn Jeremiah ist ein Teil davon.

 

All das dient dem Archivar zur Vorbereitung auf eine ganz bestimmte Biographie. Und so gibt er Jeremiah den Zugang zu Michaels Lebenslauf, verbunden mit einer Frage.

„Die Quelle des Bösen. Was ist die Ursache oder benötigt es keine?“

Jeremiah erhält einen Blick auf das Leben seines Sohnes, dass ihm in seiner Rolle als Vater, aufgrund seiner Unfähigkeit Gefühle zuzulassen, verschlossen war. Michaels Lebenslauf ist von Kindheit an geprägt von der Angst schwach und hilflos zu sein. In seinen Augen kann nur Macht und Einfluss diese Angst kompensieren. Bereits als Kind lernt Michael, dass seine Stärke darin liegt, die Emotionen der Menschen für seine Ziele zu nutzen. Und so entscheidet er sich in seinen späteren Jahren in die Politik zu gehen, um seine Stärke und sein Bedürfnis nach Einfluss weiter auszubauen. Schnell steigt er in der Hierarchie nach oben, beobachtet von der Parteispitze, die in ihm den Mann sieht, der ihren Anspruch auf totalitäre Macht, unter Zustimmung der Bevölkerung umzusetzen vermag. Michael wird in die Hände von Thomas Heller, dem engsten Berater des derzeitigen Präsidenten gegeben. Unter seiner Begleitung beginnt die Verwandlung von Michael zu einem Mann, der bereit ist jeden Weg zu gehen, um an der Macht zu bleiben und sie weiter auszubauen. Zusammen mit Heller beginnt er die Bevölkerung mit extremen Aussagen, radikalen Mitteln und kalkulierten Provokationen aufzuhetzen. Er nutzt und schürt die Ängste der Menschen, ihren Wunsch die Komplexität aus ihren Leben zu nehmen. Er zeichnet extreme Situationen, feuert die Angst der Menschen vor einer Zukunft, die sie zu überfordern scheint, weiter an und bietet scheinbar einfache Lösungen. Sein Erfolg gibt ihm recht und nichts scheint mehr seiner Wahl zum Präsidenten im Weg zu stehen. Doch seine Biographie endet nicht mit der Gegenwart. Stattdessen gewährt das Buch einen Einblick in eine mögliche Zukunft. Eine Zukunft, die unter der Führung von Michael in einem totalitären Staat und Krieg endet. Einem Krieg, der nur dem Zweck dient, das Macht-Territorium zu erweitern und der Millionen von Menschen das Leben kosten wird.

Der Archivar stellt Jeremiah vor die Entscheidung. Folgt er weiterhin seinem strengen moralischen Kodex, ein Gleichgewicht zwischen Gut und Böse zu schaffen? Ein Kodex, der all die Jahre als Begründung für seine grausame Selbstjustiz diente. Oder lässt Jeremiah es zu, dass ein viel größeres Verbrechen durch seinen Sohn begangen wird? Er bietet Jeremiah an, seine eigenen Taten durch den Mord an Michael auszugleichen.

Jeremiah wird innerlich durch diese Entscheidung zerrissen. Verzweifelt versucht er der Entscheidung aus dem Weg zu gehen, indem er sowohl Heller als auch den Archivar ermordet. Am Ende muss er sich jedoch eingestehen, dass nichts davon etwas verändern wird. Zu viel ist bereits geschehen. Zu stark hat sich Michael bereits verändert und hat sich, wie einst sein Vater, in seine eigene Welt geflüchtet.

 

Michael gewinnt die Wahl und Jeremiah muss eine Entscheidung treffen. Am Wahlabend, zum Zeitpunkt des größten Triumphes seines Sohnes, greift er ein letztes Mal zu seiner Waffe. Er besucht seinen Sohn, nur wenige Momente vor dessen Rede auf dem Balkon des Regierungspalastes. Bis zum letzten Moment kämpft Jeremiah mit sich und seiner Entscheidung und erst jetzt ist er in der Lage die Frage des Archivars zu beantworten.

Der Autor

Andreas Pohl wurde 1972 in München geboren und lebt bis heute dort. Er interessiert sich für Film, Musik und Literatur. Er inszenierte einen Kurzfilm, schrieb mehrere Drehbücher und wechselte dann in Richtung Belletristik. Der Archivar ist sein dritter Roman und das erste Manuskript, das er veröffentlicht.

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